Mit reichlich Energie treiben viele unserer Mitgliedsunternehmen den Umstieg auf die Elektromobilität voran – so auch die Denkinger Spedition aus Ehingen. Nach rund vier Jahren Erfahrung mit Elektro-Lkw wissen die Verantwortlichen dort: Elektromobilität ist ein völlig neues Terrain und eine komplexe Angelegenheit. Doch sie sind überzeugt: Der Aufwand in Millionenhöhe hat sich gelohnt." Das Gesamtpaket ist stimmig, und wir haben Spaß daran", bestätigt Geschäftsführer Simon Brunner. Im Fall von Denkinger ist die Elektromobilität bereits ein Business Case. Er ist froh, den Schritt in Richtung E-Mobilität gegangen zu sein. „So konnten wir frühzeitig wertvolle Erfahrungen sammeln“, sagt er und empfiehlt jedem, sich mit dem Megathema auseinanderzusetzen. Denn, so seine Überzeugung: „Standen früher Personal- und Fuhrparkthemen bei einer Spedition im Vordergrund, wird der Baustein Energie künftig eine entscheidende Rolle spielen.“ Gemeinsam mit seinen Geschäftsführerkollegen Nico und Peter Denkinger bündelt er die damit verbundenen Potenziale in einem neuen Geschäftsbereich, der – wie die Säulen IT und Logistik – auf Wachstum ausgelegt ist. Seit 2022 hat das Unternehmen ein eigenes Elektro-Ökosystem aufgebaut. Es betreibt mittlerweile zwölf schwere Elektro-Lkw, weitere sind im Zulauf. Zur Infrastruktur gehören 29 Ladepunkte (davon 16 für Pkw) an sieben Standorten, drei große Batteriespeicher sowie großflächige Photovoltaikanlagen. Sowohl die Speicher mit zweimal 711 kWh und einmal 948 kWh Kapazität als auch ein Dutzend Schnellladesäulen des Typs Alpitronic Hypercharger mit je 400 kW Leistung stammen vom VSL-Fördermitglied Allgäu Batterie, dessen Spezialgebiet Batterie- und Ladelösungen sind. Die Hardware ist das eine. Fast wichtiger – und mit Blick auf Kosten und Effizienz entscheidend – ist das, was man von außen nicht sieht: ein intelligentes Lade- und Energiemanagement, auch im Zusammenspiel mit künstlicher Intelligenz.
Energie neu gedacht – im Zusammenspiel mit künstlicher Intelligenz
„Das ist das Gehirn des Ganzen“, erklärt Anja Mayr, Key Account Managerin im Bereich Batteriespeichersysteme bei dem Anbieter aus Haldenwang. Es entscheide darüber, wie wirtschaftlich die Lkw betrieben werden können. Denn der wichtigste Parameter beim Betrieb von Elektrofahrzeugen ist für Denkinger der Strompreis. Er kann zwischen minus 15 und plus 50 Cent pro kWh schwanken – teilweise innerhalb eines Tages, wie die DenkingerVertreter berichten. Entsprechend wichtig ist es, darauf einen besonderen Fokus zu legen. Hier kommen die Experten von Allgäu Batterie ins Spiel, die das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten auf Effizienz trimmen. Zusammengefunden haben beide Partner 2024, als „Rottenacker 2“ anstand – ein zweiter Hallenneubau an einem von Denkinger in Eigenregie reaktivierten und erweiterten Gleisanschluss. Auch in Sachen Nachhaltigkeit sollte er Maßstäbe setzen. Für den Rail-Hub wurde Denkinger 2024 mit dem Deutschen Logistik-Preis der Bundesvereinigung Logistik ausgezeichnet. „Bis dahin haben wir vieles inhouse gemacht“, berichtet Daniel Rehm, verantwortlich fürs Projektmanagement bei dem Unternehmen. Der gelernte Elektroinstallateur bringt ein tiefes Verständnis für Transformation mit, räumt aber ein, dass ab einem gewissen Punkt zusätzliche Expertise hilfreich, wenn nicht unabdingbar ist. „Man muss das Ganze intelligent managen“, sagt er. „Im Blindflug kommt man nicht zu niedrigen Betriebskosten.“ Intelligenz bedeutet in diesem Fall eine atypische Netznutzung. Der Großteil des Stroms muss außerhalb der festgelegten Hochlastzeiten bezogen werden. „Die Kappung der Lastspitzen bringt uns locker einen Effekt von mehreren zehntausend Euro im Jahr“, erläutert Rehm. Das kann dazu führen, dass Fahrer ihren Elektro-Lkw abends anschließen und sich wundern, dass nur fünf Kilowatt fließen. Das System vermeidet so teures Laden zu Spitzenzeiten und startet den Ladevorgang beispielsweise erst um vier Uhr morgens, wenn Energie günstig über die Strombörse zu beziehen ist. Auch tagsüber ist Intelligenz gefragt: Lkw laden, Speicher füllen oder ins Netz einspeisen? Auch darauf findet das Lade- und Energiemanagement Antworten. KI-gestützt kann es die jeweils wirtschaftlichste Lösung bis zu zwei Tage im Voraus berechnen.
Schwarz stellt sich der Antriebswende
Die Schwarz Logistics Group aus Herbrechtingen war einer der Pioniere beim Lang-Lkw und eines der ersten Unternehmen, das bereits 2020 einen E-Lkw in Betrieb nahm. Inzwischen hat sie mehr als 320 Lang-Lkw des Typs 1 (verlängerter Sattelauflieger) im Einsatz. Auch die Elektroflotte ist weiter gewachsen: Fünf batterieelektrische Fahrzeuge und ein Wasserstoff-Lkw gehören mittlerweile dazu. Seit Sommer 2024 kombiniert das Unternehmen beide Kategorien – zum Lang-Lkw mit Elektroantrieb. Zwei Mercedes-Benz eActros 300 sind als Lowliner-Zugmaschinen in regelmäßigen Rundläufen unterwegs und absolvieren innerhalb von 24 Stunden eine Laufleistung von knapp 580 Kilometern. Das funktioniert nur mit der entsprechenden Ladeinfrastruktur – beziehungsweise einem eigenen Elektro-Ökosystem, das das Mitgliedsunternehmen aufgebaut hat. Den selbst produzierten Ökostrom kann Schwarz Logistics in einem Batteriespeicher puffern, den das VSL-Fördermitglied Allgäu Batterie geliefert hat. Der Speicher ist in einem Container untergebracht und bietet eine Kapazität von 392 kWh. Bei Bedarf ließe sich diese auf die doppelte Kapazität erweitern. Die Ladeinfrastruktur umfasst 15 Ladestationen mit insgesamt 21 Ladepunkten. Neben elf Wallboxen (davon zwei mit 44 kW Leistung für Lkw) gehören zwei Schnellladesäulen mit 150 kW und 300 kW Leistung dazu – jeweils mit zwei Ladepunkten. Ist die E-Mobilität für die Schwarz Logistics Group derzeit schon ein Business Case? „Bisher lässt sie sich
aufgrund der sehr hohen Anschaffungskosten nur mithilfe von Förderungen wirtschaftlich darstellen“, erklärt Geschäftsführer Thomas Schwarz mit Verweis auf das frühere KsNI-Förderprogramm. „Man muss schon ganz schön zaubern, damit unter den aktuellen Rahmenbedingungen – Infrastruktur, Stromkosten, technische Möglichkeiten, Reichweiten und Bereitstellung von Ersatzfahrzeugen – die Mehrkosten vertretbar bleiben. Damit es halbwegs Sinn macht, muss man gezielt Transportrelationen auswählen, die mit E-Lkw bedient werden können.“



