Texte, Bilder, Musik, Videos – alles lässt sich mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) innerhalb von Sekunden erstellen, ob im Privaten oder im Geschäftsleben. Wie selbstverständlich hat die KI auch in der Logistik Einzug gehalten. Sie entlastet die Sachbearbeiter, indem sie Aufträge automatisiert ins Transport-Management-System einpflegt. Sie hilft beim Kommissionieren oder der Inventur im Lager sowie der Tourenplanung und Disposition, indem sie die Fahrzeuge bestmöglich auslastet. KI-Agenten entlasten Mitarbeitende von Routinetätigkeiten, übernehmen Teile der Kundenkommunikation und sichern wertvolles Expertenwissen im Unternehmen. Für viele Betriebe eröffnen sich damit konkrete, wirtschaftlich relevante Anwendungsfälle.
Bei Dachser kommen KI-Algorithmen beim digitalen Zwilling @ILO zum Einsatz – zu sehen bereits in der Niederlassung Öhringen. Mithilfe von Kameras an den Decken werden Packstücke in Echtzeit identifiziert, lokalisiert und vermessen. Ebenfalls auf Kameras und KI setzen die Geis Gruppe und ihr Tochterunternehmen Quehenberger Logistics, wenn es darum geht, Leerfahrten zu reduzieren und Ladungsdiebstahl zu unterbinden. Der Branchenverband Bitkom sieht erhebliche Potenziale in der Logistik etwa bei der Routen- und Tourenplanung, der Lager- und Bestandsoptimierung sowie der vorausschauenden Wartung von Fahrzeugen. Durch eine KI-gestützte, volldynamische Routenoptimierung könnten Logistikunternehmen ihre Fahrstrecken um rund ein Zehntel verkürzen und so ihre jährlichen CO2-Emissionen um 10 bis 20 Prozent senken. Umso mehr komme es darauf an, die Belegschaft mitzunehmen und ihr die Ängste zu nehmen. „Jedes Unternehmen sollte seine Beschäftigten zu KI weiterbilden“, empfiehlt der Bitkom-KI-Experte Marvin Pawelczyk.
Obgleich sich schon viele Unternehmen mit KI beschäftigen, gibt es noch Luft nach oben. Das bestätigt die aktuelle Logistikstudie 2025 „Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in Supply Chains“ des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). Viele Betriebe kennen demnach zwar die relevanten Digitalisierungstechnologien; es hapere aber an der Umsetzung. Als Gründe, die eine erfolgreiche Digitalisierung der Geschäftsprozesse verzögern, nennt die Studie fehlende Personalressourcen, eine unzureichende Stammdatenqualität und hohe Investitionen. Gerade die Datenqualität sei ein entscheidender Engpass. „Ohne klare Verantwortlichkeiten, saubere Stammdaten und Zeiträume für Fachkräfte bleibt Digitalisierung Stückwerk“, warnt der BME.
„Saubere Daten sind die Basis“, bestätigt Raoul Wintjes, Leiter der Bereiche Luftfrachtspedition, Internationaler Straßengüterverkehr und Digitalisierung beim DSLV Bundesverband Spedition und Logistik. Nur dann kann KI verlässlich arbeiten und Fehlinterpretationen vermeiden – etwa wenn Sprachmodelle auf fehlerhafte Informationen zugreifen und dadurch falsche Antworten liefern. Beim Thema Routenoptimierung sehen die den DSLV-Landesverbänden angeschlossenen Speditionen besonderes Potenzial für die KI. Das zeigt die DSLV-Untersuchung „TMS-Benchmark 2025“.
Was aus der Befragung auch hervorgeht: Mehr als ein Drittel der Unternehmen setzt bereits KI-Anwendungen ein, auch wenn diese sich noch nicht flächendeckend durchgesetzt haben. 36 Prozent der befragten Unternehmen nutzen Formen der generativen KI (beispielsweise ChatGPT oder den Microsoft-Copilot). Zwei Prozent der Logistikdienstleister haben Erfahrungen mit physischer KI (etwa in Form von autonomen Transportrobotern im Logistikzentrum) gesammelt. Weitere vier Prozent nutzen sowohl generative als auch physische KI. „Während KI-Lösungen noch nicht überall etabliert sind, hat die Digitalisierung nahezu alle Unternehmen erreicht. Über 90 Prozent nutzen bereits ein TMS – es gehört heute zur operativen Grundausstattung.“ bilanziert Raoul Wintjes, der die Umfrage organisiert und ausgewertet hat. Was die Nutzung der KITools angeht, zeigt er sich positiv überrascht. „Das belegt, dass die Technologie in den Unternehmen angekommen ist“, sagt er. Mit Blick auf die gewünschte KI-gestützte Routenoptimierung erläutert Wintjes: „Die Unternehmen erwarten, dass KI nicht nur theoretisch verfügbar ist, sondern konkrete Effizienzgewinne bringt – kürzere Routen, geringere Kosten und bessere CO2-Bilanzen.“



