Verband der Spedition und Logistik

Herzlich willkommen 2024: Es besteht Grund zur Zuversicht!

Wie fallen die Erwartungen der Verbandsverantwortlichen für 2024 aus?

Wir haben VSL-Präsident Dr. Micha Lege, AVSL-Präsident Rainer Krahn und VSL-Geschäftsführer Andrea Marongiu um ihre Einschätzung gebeten. Die einzelnen Ausblicke finden Sie nachfolgend.

 

Der Ausblick von VSL-Präsident Dr. Micha Lege

Es besteht kein Grund zur Schwarzmalerei. „Bei allen Herausforderungen, mit denen wir aktuell zu kämpfen, haben, gehe ich für das Jahr 2024 von einer leichten positiven Entwicklung aus“, sagt VSL-Präsident Dr. Micha Lege.

Das Megathema Klimaschutz wird die Transport- und Logistikbranche nach Leges Überzeugung 2024 sehr stark beschäftigen und Ressourcen binden. Damit das Ganze wirklich Fahrt aufnimmt, müsse die Politik aber dringend die passenden Rahmenbedingungen setzen, erklärt Lege und mahnt eine attraktive Förderkulisse sowie den dringend erforderlichen Aufbau einer Tank- und Ladeinfrastruktur an.

Im Vertrauen auf die Politik – sprich: auf Planbarkeit und einen stabilen Förderrahmen – stelle sich die Branche ihrer Verantwortung.  Immer mehr VSL-Mitglieder hätten den Einstieg in die Antriebswende geschafft, berichtet der Verbandspräsident. Exemplarisch nennt er das Bündnis Flottenumstellung von Nutzfahrzeugen, dem sich der Verband angeschlossen hat. Die Bündnispartner verfolgen das Ziel, bis 2030 mindestens die Hälfte ihrer leichten und mittleren Lkw auf einen CO2-freien Betrieb umzustellen. Als weiteren Erfolg weist Lege auf die Übergabefeier von Daimler Truck am 4. Dezember hin: Mehr als jedes zweite Unternehmen, das einen eActros 300 als Sattelzugmaschine entgegen nahm, ist ein VSL-Mitglied (siehe dazu eigene Meldung im Newsletter).

Und es bleiben die großen Herausforderungen: „Die Politik muss ihren Kampf gegen hohe Energiekosten, die allgemeine Inflation sowie die Bürokratie fortsetzen“, fordert Lege, der im Hauptamt die Geschicke des Logistikdienstleisters Wiedmann & Winz aus Geislingen/Steige lenkt. Die Genehmigungsverfahren dauerten viel zu lange, bei manchen Themen bräuchten Mittelständler inzwischen Sachverständige, um den komplexen Anforderungen etwa beim Brandschutz überhaupt noch gerecht zu werden. Auch die Umsetzung von wichtigen Verkehrsinfrastruktur-Projekten erfolge zu schleppend und passe nicht zum versprochenen Deutschland-Tempo. „Ebenso gilt es, die Steuern- und Abgabenlast zu senken – dann wird es nicht nur leicht, sondern spürbar aufwärts gehen“, so die Überzeugung des Unternehmers.

 

Der Ausblick von AVSL-Präsident Rainer Krahn

Das Jahr 2024 steht für die baden-württembergische Logistikbranche auch im Zeichen von Tarifverhandlungen. Ende März läuft der bestehende Entgelttarifvertrag aus, und die Verhandlungen für ein neues Tarifwerk mit der Gewerkschaft Verdi beginnen. Zurzeit stimmen sich beide Seiten noch über erste Verhandlungstermine ab. „Mit Blick auf die Tarifarbeit wird das Jahr in jedem Fall arbeitsintensiv“, sagt AVSL-Präsident Rainer Krahn. Das gilt erst recht deshalb, weil dann auch über die Merkmale zur Eingruppierung ins Tarifwerk gesprochen wird – also über die Frage, welche Beschäftigten mit welchen Voraussetzungen welcher Entgeltgruppe zugeordnet werden. Das ist nach seinen Erfahrungen kein leichtes Unterfangen.

Die Verhandlungen mit der Arbeitnehmerseite hat der AVSL-Präsident als überaus professionell in Erinnerung. „Wir pflegen eine sehr gute Kommunikationsstruktur mit Verdi“, sagt er. Ein Beispiel für die fruchtbare Zusammenarbeit sei die gemeinsam auf den Weg gebrachte Modernisierung des Manteltarifvertrags. „Das stimmt uns auch für die anstehenden Verhandlungen sehr positiv.“

Positiv blickt der AVSL-Präsident, im Hauptamt Datenschutzbeauftragter bei UPS in Deutschland, auch dem neuen Jahr insgesamt entgegen. „Trotz aller Herausforderungen und Parameter, die man selbst nicht beeinflussen kann, bin ich für 2024 optimistisch“, erklärt er. Zum Beispiel böten die Möglichkeiten der Automatisierung, Digitalisierung und die Künstliche Intelligenz Unternehmen Hilfestellung, um strukturellen Problemen – wie dem Fachkräftemangel – ein Stück weit entgegenzuwirken. „Und als Verband können wir den Unternehmen jederzeit auch mit Informationen und Schulungen helfen und zur Seite stehen.“

 

Der Ausblick von VSL-Geschäftsführer Andrea Marongiu

Worauf stellt sich VSL-Geschäftsführer Andrea Marongiu für das kommende Jahr ein? „Im ersten Halbjahr 2024 erwarte ich, dass unsere Mitglieder auf Sicht fahren und bei den Kapazitäten – auch im personellen Bereich –  Anpassungen an die geringere Nachfrage der Verlader vornehmen“, sagt er. Düster fällt seine Prognose indes nicht aus. „Eine Kündigungswelle erwarte ich nicht“, fügt er hinzu und weist auf den Sachverständigenrat der Bundesregierung hin, der nach der konjunkturellen Flaute 2023 für 2024 wieder einen leichten Zuwachs von 1,3 Prozent prognostiziert. 

Auch die Aussichten für den Güterverkehr fallen wieder positiv aus, wie Marongiu betont. Er führt die soeben veröffentlichte gleitende Mittelfristprognose des Bundesverkehrsministeriums für den Personen- und Güterverkehr an. Danach dürfen sich Transport- und Logistikunternehmen 2024 wieder über Zuwächse freuen. Mehr Transportbedarf heißt schließlich auch: mehr Geschäft. Über alle Landverkehrsträger hinweg erwarten die Verfasser von Intraplan Consult einen Zuwachs um 1,6 Prozent beim Transportaufkommen und von 2,1 Prozent bei der Verkehrsleistung.

Wie AVSL-Präsident Krahn erwartet auch VSL-Geschäftsführer Marongiu, dass moderne IT-Tools der Branche gute Dienste leisten werden. „Ich gehe von weiteren Fortschritten durch Einführung von KI-Tools aus, die auch im Mittelstand für einen Innovationsschub sorgen“, sagt er. Und wie VSL-Präsident Dr. Lege mahnt er höhere Anstrengungen bei der Antriebswende durch die Politik an: „Berlin muss schnell für Sicherheit in der Förderkulisse sorgen, um 2024 nicht zu einem verlorenen Jahr in der Transformation zu machen.“

 

Fotos: VSL





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