Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg e.V.

Vernetzt. Effizient. Elektrisch.

Unsere Antwort auf die lückenhafte öffentliche Ladeinfrastruktur und die hohen Strompreise: Der VSL baut gemeinsam mit Kravag Truck Charging ein eigenes Ladenetz für Elektro-Lkw auf.

Auftakt zum VSL-Ladenetzwerk in Stuttgart, von links: Thorsten Gutmann und Dr. Daniel Spogat (Projektleiter Kravag Truck Charging), Korbinian Strasser und Oliver Stäbler (MAN), SVG Süd-Vorstand Boris Sobot, VSL Geschäftsführer Andrea Marongiu und sein Stellvertreter Matthias Rathmann. Foto: VSL

Buchung und Abrechnung funktionieren komplett über die App von Kravag Truck Charging. Foto: Kravag Truck Charging

„Es ist wichtig und richtig, dass sich der VSL des Themas Ladeinfrastruktur annimmt, um die Unternehmen beim Bewältigen der anspruchsvollen Antriebswende zu unterstützen.“ Thomas Schwarz, VSL-Vorstandsmitglied und Geschäftsführer der Schwarz Logistics Group, Herbrechtingen. Foto: Andreas Dalferth

Quelle: Bundesministerium für Verkehr

Mitgliedsunternehmen unter Strom (von links): Rainer Schmitt (Logistik Schmitt), Benedikt Roßmann (Ansorge Logistik), Andreas Diez (Spedition Diez), Volker Klemm (Logistik Schmitt) und Markus Meisl (LTG Doll). Foto: VSL

Smarte Speicher- und Ladelösung: Torsten Sibinger, Vertriebsleiter bei AW Automotive, erläutert technische Details. Foto: VSL

Der VSL baut ein Ladenetzwerk für Elektro-Lkw auf. Exklusiver Partner ist der Anbieter Kravag Truck Charging aus Wiesbaden. Er ist bereits auf zahlreiche Mitgliedsunternehmen zugegangen, um sie als mögliche Standorte einer Pilotregion Baden-Württemberg in das Netzwerk aufzunehmen. Ein solches Netzwerk aus privaten Depots mit Ladesäulen ist eine Antwort auf die lückenhafte öffentliche Ladeinfrastruktur. Ermöglichen sich Speditionen gegenseitig den Zugang zu ihren Ladesäulen, können sie sowohl die Reichweite ihrer Elektro-Lkw und die Auslastung ihrer Ladepunkte erhöhen als auch von attraktiven Strompreisen profitieren.

Der Startschuss zum VSL-Ladenetzwerk erfolgte im Oktober bei einer gemeinsam von VSL, SVG Süd und Kravag Truck Charging organisierten Auftaktveranstaltung am Autohof in Stuttgart-Wangen. Rund 50 interessierte Teilnehmer nutzten die Plattform zum Informationsaustausch. Darunter waren viele inhabergeführte mittelständische Speditionen aus dem VSL, die sich als Pioniere auf den Weg gemacht und bereits erste ElektroLkw im Einsatz haben. Als Business Partner wirkte der Fahrzeugbauer MAN mit, der eine elektrisch angetriebene eTGX Lowliner-Sattelzugmaschine sowie eine mobile Lade- und Speichereinheit präsentierte. „Wir sind überzeugt, dass das VSLLadenetzwerk eine super Idee ist. Wir haben die Chance, etwas richtig Großes zu starten“, erklärte VSL-Geschäftsführer Andrea Marongiu zur Eröffnung – getreu dem Motto: Die Branche hilft sich selbst. Er würdigte das Engagement der Vorreiter aus dem Verband. Manche haben bereits eine zweistellige Zahl elektrisch angetriebener Lkw im Fuhrpark. Auch der Ausbau der Ladeinfrastruktur hat spürbare Fortschritte gemacht. Die Rüdinger Spedition aus Krautheim und die Spedition Diez aus Dettingen/Teck zum Beispiel haben kurz vor der Auftaktveranstaltung eigene Ladeparks in Betrieb genommen.

Die Energie der Unternehmen dürfe aber nicht durch Bürokratie gebremst werden, warnte Marongiu. Das sei der Fall, wenn es die öffentliche Hand Betreibern untersage oder es erschwere, eine geförderte Schnellladesäule auch Dritten zum Laden anzubieten. Kravag Truck Charging baut auf der vor fünf Jahren ins Leben gerufenen Plattform Kravag Truck Parking auf. Der Grundgedanke ist derselbe: Flottenbetreiber helfen sich gegenseitig, ein Problem zu lösen – indem sie sich Parkplätze oder nun Ladesäulen zur Verfügung stellen. „Unsere Sharing-Plattform ist die Antwort auf zwei Kernprobleme beim Einsatz von Elektro-Lkw“, erläuterte Co-Projektleiter Dr. Daniel Spogat. Das eine sei die mangelnde Verfügbarkeit öffentlicher Ladeinfrastruktur, das andere die fehlende Wirtschaftlichkeit. Die Verfügbarkeit werde erhöht, indem Speditionen neben dem noch lückenhaften öffentlichen Netz nun auch private Anlagen nutzen können. Im Fall von Kravag Truck Charging ist das über fest gebuchte Slots zu fairen, transparenten Preisen möglich. Gleichzeitig steigt die Wirtschaftlichkeit der Ladeinfrastruktur, weil Unternehmen sie besser auslasten können – wenn nicht nur die eigenen Elektro-Lkw, sondern auch die anderer Speditionen geladen werden. Gemeinsam mit dem VSL werde sich Kravag Truck Charging auf den Südwesten als Pilotregion konzentrieren, erläuterte Co-Projektleiter Thorsten Gutmann. Dabei profitieren VSL-Unternehmen von besonderen Vorteilen. Geplant ist, dass ihre Standorte priorisiert ans Netz gehen und sie bevorzugt Ladesäulen buchen können. Die Anbindung der Schließtechnik – etwa der Zugang über Schranken zum Betriebsgelände – und der Ladeinfrastruktur wird für VSL-Mitgliedsunternehmen kostenlos sein. Sie sollen außerdem von einem ermäßigten Ladepreis profitieren. Dem Team von Kravag Truck Charging schwebt dabei ein Preiskorridor von 30 bis 35 Cent pro kWh (netto) vor.

„Die Buchung ist ähnlich simpel wie bei den bekannten Hotel-Buchungsplattformen“, erläuterte Gutmann. Per Desktop oder App kann sowohl der Disponent als auch der Fahrer eine Ladesäule entlang der Route reservieren. Das Entriegeln der Säule und der Start des Ladevorgangs lassen sich bequem über die App steuern. Der Sharing-Anbieter kümmert sich zusätzlich um die Zahlungsabwicklung und garantiert, dass Ladesäulenanbieter in jedem Fall zu ihrem Geld kommen. Im Herbst fanden bereits erste Gespräche mit interessierten Unternehmen aus dem VSL-Mitgliederkreis statt. Der Aufbau des Ladenetzwerks von Logistikern für Logistiker nimmt also Formen an.

MAN KANN ELEKTRISCH

Fünf Millionen Kilometer haben die noch vor dem Serienstart ausgelieferten 200 elektrisch angetriebenen eTGXEinheiten von MAN bereits im Realbetrieb absolviert (Stand: September 2025). Der Durchschnittsverbrauch liegt bei 90 kWh pro 100 Kilometer. Bei Nutzung von 100 Prozent Ökostrom konnte der CO₂-Ausstoß damit um rund 3.600 Tonnen reduziert werden. Ab 2026 kann der Hersteller nach eigenen Angaben auch Trucks ausliefern, die bereit fürs Megawatt-Laden (MCS) sind. Neben den Fahrzeugen bietet MAN auch umfangreiche Beratungsservices an – etwa zum konkreten Einsatz oder zur Ladeinfrastruktur. Mehr als 6.000 Routen hat das Unternehmen (Stand: Oktober 2025) analysiert und über 450 eConsulting-Projekte abgeschlossen. Wer am Betriebsgelände schlechte Voraussetzungen hat, überbrücken möchte oder eine Lösung etwa für Baustellen sucht, für den hat MAN gemeinsam mit AW Automotive etwas Besonderes entwickelt – den Smart Charging Cube. Er kombiniert Speicher und Ladesäule in einem mobilen Würfel, der per Truck angeliefert werden kann. MAN stellte die mobile Lösung auch beim Event in Stuttgart vor. 400 kW Ladeleistung sind möglich, die Speicherkapazität liegt bei 515 kWh; durch modulare Zusammensetzung sind auch andere Werte umsetzbar.

 





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