Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg e.V.

Volles Haus bei unserem Top-Event

250 Besucherinnen und Besucher bei unserer Mitgliederversammlung - wir sagen danke!

Verteidigungsfähigkeit stellt Anforderungen an alle:
Logistikbranche ist sich ihrer Verantwortung bewusst

  • VSL thematisiert neben Branchenthemen auch geopolitische Konflikte und Handelsstreit auf seiner Mitgliederversammlung im Neckar Forum Esslingen
  • Großer Zuspruch mit 250 Teilnehmern, großes Interesse auch an den Reden von CDU-Fraktionschef Manuel Hagel und ARD-Börsenexperte Markus Gürne
  • In anderen Weltmärkten wird deutlich mehr gearbeitet: Hagel in Sorge um die Wettbewerbsfähigkeit des Landes
  • VSL-Präsident Dr. Micha Lege für weitere drei Jahre im Amt bestätigt, Elke Ester folgt Rainer Krahn an der Spitze des AVSL

 

Kriege und Konflikte auf der einen Seite, Zölle und Sanktionen auf der anderen: Die Wirtschaft leidet unter den geopolitischen Verwerfungen und einem Handelsstreit, der immer neue Blüten treibt. Die exportorientierten deutschen und baden-württembergischen Unternehmen sind besonders betroffen – und damit auch die Logistikbranche als deren Partner. Der Verband Spedition und Logistik (VSL) Baden-Württemberg sieht eine gefährliche Entwicklung, die Logistik, Lieferketten und Welthandel sowie im schlimmsten Fall Frieden und Freiheit in Europa immer mehr bedroht. Autokraten-Regime wie China und Russland verfolgen das Ziel, die Welt neu zu ordnen – und unsere Wirtschaft und den Westen zu schwächen. Angesichts dieser Bedrohung erklärte VSL-Präsident Dr. Micha Lege bei der VSL-Mitgliederversammlung vorige Woche im Neckar Forum Esslingen: „Wie schon beim Nato-Doppelbeschluss ist es auch heute die Verantwortung der Wirtschaft und der Gesellschaft, laut zu sagen: Wenn wir es ernst meinen mit der Freiheit, mit Demokratie und Marktwirtschaft, dann müssen wir es ernst meinen mit der Verteidigungsfähigkeit. Unsere Logistikunternehmen können und müssen die Bundeswehr dabei unterstützen“, sagte er. Die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer hatten Dr. Lege zuvor bei den Vorstandswahlen einstimmig für weitere drei Jahre in seinem Amt bestätigt.

Keynote-Speaker Manuel Hagel und Markus Gürne

Aus gutem Grund hatte der VSL die Themen Sicherheit, Verteidigung und Handelskonflikte in den Mittelpunkt seiner Veranstaltung gestellt. Die zunehmenden Spannungen auf weltpolitischer Bühne versetzen viele Menschen in Sorge und verunsichern die Unternehmerschaft. Deshalb gilt es, die Zusammenhänge zu verstehen und einzuordnen sowie auszuloten, welche Optionen wir haben, um daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Diesen Part übernahmen die beiden Keynote-Speaker Manuel Hagel und Markus Gürne. Hagel ist Fraktions- und Landesvorsitzender der CDU-Baden-Württemberg, Gürne leitet die ARD-Börsenredaktion und moderiert das TV-Format „Wirtschaft vor acht“ vor der Tagesschau.

Hagel: Die globale Konkurrenz schläft nicht

Drei Regeln der Vergangenheit gelten demnach nicht mehr, wie CDU-Politiker Hagel ausführte, der als Spitzenkandidat fürs Amt des Ministerpräsidenten im nächsten Jahr in die Landtagswahl zieht. Bisher habe gegolten: Billiges Gas aus Russland finanziert die Wirtschaft, die Amerikaner kümmern sich um unsere Sicherheit und billige Vorerzeugnisse aus China sichern unsere Produktion. Nachdem diese „Glaubenssätze“, wie Hagel es formulierte, überholt seien, forderte er, nun die richtigen Schlüsse zu ziehen. Heißt: neue Handelspartner finden und Handelsabkommen schließen sowie mehr Einsatz, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. „Die globale Konkurrenz schläft nicht“, warnte Hagel. In China würden pro Arbeitnehmer 2.000 bis 2.200 Stunden pro Jahr gearbeitet, in den USA 1.900 und in Deutschland 1.340 Stunden – Tendenz abnehmend, bemängelte er. Nach zweieinhalb Jahren in der Rezession könne sich Deutschland aus der Flaute herausarbeiten, aber nicht „herausschrumpfen“. An die Adresse der Logistikunternehmer sagte er, dass es mit seiner Partei in der nächsten Legislaturperiode keine Maut auf Landes- und Kommunalstraßen geben werde. Er sprach sich für Technologieoffenheit beim Erreichen der Klimaziele aus und lobte die auf Bundesebene beschlossene Rückkehr zum Finanzierungskreislauf „Straße finanziert Straße“.

Gürne: Sondervermögen ist in dieser Phase richtig

Wie Manuel Hagel warb auch Markus Gürne darum, aus den jetzigen geopolitischen Veränderungen die richtigen Konsequenzen zu ziehen. „Wenn unser Geschäftsmodell der Export ist und wir von der Exportstärke profitiert haben, muss uns klar sein, wie unser Geschäftsmodell betroffen ist, wenn sich die Welt verändert“, sagte Gürne, der während des Irak-Kriegs für die ARD aus Kairo berichtete und Mitglied eines sicherheitspolitischen Gesprächskreises ist, an dem auch der ehemalige US-General und CIA-Chef David Petraeus mitwirkt. Europa brauche eine starke Sicherheitsarchitektur und die nötigen Investitionsmittel – „das Sondervermögen ist in dieser Phase richtig“ –, um den Aufbau einer schlagkräftigen Verteidigung und modernen Infrastruktur zu finanzieren. Dabei gelte es, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen und die erforderlichen Schritte auch verständlich zu kommunizieren. „Wir können den Leuten in Deutschland viel zumuten, aber sie müssen es verstehen“, betonte der Fernsehjournalist. Es braucht seiner Ansicht nach auch klare Verantwortlichkeiten und Ansprechpartner in Europa: „Friedrich Merz und Emmanuel Macron müssen im Tandem überall auftreten – der eine hat das Geld, der andere die Erfahrung.“

Dr. Lege: Abgaben, Steuern und Energiekosten müssen runter

VSL-Präsident Dr. Lege, der auch Vizepräsident des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik ist, betonte zunächst, dass der Bedeutung der Logistik im Koalitionsvertrag Rechnung getragen wurde und viele Positionen des VSL/DSLV darin aufgegriffen wurden. „Ich habe mich gefreut, dass wir im verkehrspolitischen Teil des Koalitionsvertrags so viel Reformwillen gefunden haben“. Er verwies jedoch auch darauf, dass die größte Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten schon lange in der Logistikbranche angekommen ist. Deshalb brauche das Land jetzt dringend eine Wirtschaftswende. Diese könne allerdings nur dann gelingen, wenn mit dem Sondervermögen keine höheren Sozialausgaben finanziert werden: „Sondervermögen sind Schulden, die nur dann gerechtfertigt sind, wenn dieses Geld in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und in mehr Wachstum investiert wird und nicht etwa in den Sozialstaat. Jetzt darf es nicht mehr 20 oder 30 Jahre dauern, um eine Brücke zu bauen“, erklärte der VSL-Präsident. „Bürokratiemonster“ wie die CSRD-Berichtspflichten müssten schnell zurückgefahren werden. Es sei gut, dass es dafür jetzt endlich Rückenwind aus Berlin gebe. Dies gelte auch für die im Koalitionsvertrag vorgesehene Änderung des Energieeffizienzgesetzes. Bis zu einer Änderung seien viele Unternehmen von erheblichen Bußgeldern bedroht.

Neben den weltpolitischen Herausforderungen sieht sich die Logistikbranche aber auch mit branchenpolitischen Herausforderungen konfrontiert. Dabei geht es neben dem Bürokratie-Abbau um die Megathemen Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur und Antriebswende, die VSL-Präsident Dr. Lege auch in seiner Rede adressierte. Handlungsbedarf sieht er zudem mit Blick auf die hohe Kostenbelastung in Deutschland, die durch einen steigenden Mindestlohn verschärft wird. „Abgaben, Steuern und Energiekosten müssen endlich runter“, forderte der Unternehmer. Zudem kritisierte er die außer Kontrolle geratenen sozialen Sicherungssysteme: „Wir brauchen bei den Lohnzusatzkosten endlich eine Trendwende. Dringend erforderlich ist eine verbindliche Agenda, wie die Beiträge zu den Sozialversicherungen wieder unter die kritische Schwelle von 40 Prozent des Bruttolohns gedrückt werden. Wenn wir Wohlstand und Sicherheit in Deutschland erhalten wollen, wenn wir die großen Zukunftsaufgaben in diesem Land lösen wollen, dann muss die Regierung endlich auch beim Sozialstaat die Prioritäten setzen“, forderte Dr. Lege. Dennoch sieht er wichtige erste Schritte für mehr Wachstum. Die getroffenen Entscheidungen zu den Abschreibungen auf Investitionen seien ein richtiger erster Ansatz. Nun müsse das Gesetz zügig umgesetzt werden, damit Planungssicherheit für die Unternehmen bestehe. Bei der ab 1. Januar 2028 geplanten schrittweisen Senkung der Körperschaftssteuer, die der VSL grundsätzlich begrüßt, hätte er sich einen früheren Termin und eine umfangreiche Steuersenkung gewünscht. Die geplante Senkung der Stromsteuer für produzierende Unternehmen sei überfällig. „Doch muss davon auch die Logistikbranche profitieren“, hob Dr. Lege hervor. „Durch die Elektrifizierung unserer Flotten gehören wir bald zu den größten Stromverbrauchern im Land.“

Huster: Clean Corporate Fleet-Initiative geht in falsche Richtung

Der VSL begrüßt das Bekenntnis der Bundesregierung zur Technologieoffenheit, um die Antriebswende voranzubringen. Er schließt sich der Position seines Bundesverbands DSLV an und warnt vor verbindlichen Quoten für Null-Emissions-Fahrzeuge (ZEV) bei der Fahrzeugbeschaffung und bei der Transportvergabe. Mit ihrer Clean Corporate Fleet-Initiative fokussiert sich die EU-Kommission jetzt offensichtlich nicht allein auf Flottenbetreiber, sondern auch auf Shipper. Hierunter können neben Industrieverladern auch regelmäßig Spediteure fallen, die Transportunternehmen beauftragen. Um ihre CO2-Quoten zu erfüllen, würden sie dadurch bei Ausschreibungen und Transportaufträgen gesetzlich verpflichtet, Frachtführer mit ZEV-Flotten zu berücksichtigen. Am Ende lande das Problem immer beim Flottenbetreiber, erläuterte DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster. „Diese Überlegungen gehen in die falsche Richtung“, warnte er. VSL-Präsident Dr. Lege pflichtete ihm bei. „Wir stehen zur Antriebswende. Doch Unternehmen können doch erst dann umsteigen, wenn es funktioniert. Wir brauchen Infrastruktur und keine Quoten“, betonte er.

Huster verdeutlichte ferner das aktuelle Dilemma aus einer vergleichsweise üppigen Finanzausstattung des Bundes und den prozeduralen Zwängen, die es verhindern, diese Mittel kurzfristig einzusetzen. Der Grund: Der Bundeshaushalt 2025 und die Wirtschaftspläne der Sondervermögen und des Klima- und Transformationsfonds werden erst Ende September vom Bundestag verabschiedet. Bis dahin gelten die Regeln der vorläufigen Haushaltsführung. „Und das bedeutet eine faktische Haushaltssperre“, erläuterte Huster die für den Wirtschaftsstandort Deutschland bedrohliche Situation. Denn die Autobahn GmbH habe bereits weitere Auftragsvergaben für die Sanierung von Straßen und Brücken für 2025 stoppen müssen. Das Bundesfinanz- und -verkehrsministerium müssten kurzfristig auf diese Sondersituation reagieren.

Neue Vorstände von VSL und AVSL gewählt

Im internen Teil der Mitgliederversammlung standen unter anderem Vorstandswahlen auf dem Programm. Einstimmig wählten die stimmberechtigten Unternehmerinnen und Unternehmer einen neuen VSL- und AVSL-Vorstand. An der VSL-Spitze wurde Präsident Dr. Lege in seinem Amt für weitere drei Jahre bestätigt. Beim AVSL gibt es einen Wechsel: Elke Ester (UPS Deutschland) folgt auf Rainer Krahn (ebenfalls UPS Deutschland), der 13 Jahre dem AVSL-Vorstand sowie 17 Jahre der Tarifkommission angehörte (und fünf Jahre deren Verhandlungsführer war). VSL-Präsident Dr. Lege sprach ihm seinen besonderen Dank aus und verlieh ihm die AVSL-Ehrennadel in Gold.

 

Hier die neu gewählten Vorstände von VSL und AVSL im Überblick

VSL

Präsident

Dr. Micha Lege (Wiedmann & Winz, Geislingen)

Vizepräsident

Timo Conrad (ERA Internationale Spedition, Kornwestheim)

 

Arno Brucker (Spedition Brucker, Aalen)

Tobias Gerster (Kühne + Nagel, Leinfelden-Echterdingen)

Eugen Hirsch (Spedition Hirsch, Ellwangen)

Jens Langer (DP World Intermodal, Stuttgart)

Michael Messner (HTL Peter Messner, Murr)

Stephan Möbus (Bullinger Spedition, Stuttgart)

Roland Rüdinger (Rüdinger Spedition, Krautheim)

Thomas Schwarz (Spedition Schwarz, Herbrechtingen)

Harald Seifert (Seifert Logistics, Ulm)

 

AVSL

Präsidentin

Elke Ester (United Parcel Service Deutschland, Heddesheim)

Vizepräsident

Markus Maurer (Dachser, Kornwestheim)

 

Jochen Gonser (Gebrüder Weiss, Esslingen)

Sascha Haas (DHL Freight, Öhringen)

Ronald Seiz (Just Consulting, Heiningen)

 

Im Amt des Rechnungsprüfers bestätigt wurden

Pascal Ding (Diebold, Offenburg)

Sascha Greibich (ITK Internationales Transport-Kontor, Karlsruhe)

 

Fotohinweis: VSL/Andreas Dalferth

 





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